Hochsaison am Futterhaus

Tannenmeise am Futterhaus, Foto: Andreas Hofmann

Winterfütterung von Vögeln

- jeden Winter erneut ein kontrovers diskutiertes Thema. Soll man, soll man gar nicht, soll man ein wenig und wenn ja wie macht man es richtig?

 

Tatsache ist, dass die Vogelfütterung bei uns eine beliebte Tradition ist. Tatsache ist aber auch, dass die Fütterung im Winter nicht wirklich direkt zum Artenschutz beiträgt, denn von den über 250 bei uns in Deutschland vorkommenden Brutvogelarten sind die den Winter bei uns verbringenden sog. „Standvögel" eigentlich ausreichend an die kalte Jahreszeit angepasst. Voraussetzung sind natürlich genügend strukturreiche Umweltbedingungen. So hilft man dem Vogelschutz wohl effektiver, wenn man einen naturnahen Garten mit vielen fruchttragenden Wildsträuchern gestaltet oder sich für eine artenreiche Kulturlandschaft ohne Glyphosat und anderen Pestiziden stark macht. Auch sollte man bedenken, dass über 90 % der heimischen Arten gar nicht an die Futterstelle kommen, denn Eule, Habicht, Ente und Co. haben natürlich ganz andere Nahrungsansprüche oder fühlen sich in menschlicher Umgebung einfach nicht wohl. So sind es nur 5-8 % unserer heimischen Arten, welche die Futterstelle besuchen. Und diese wenigen Arten sind häufige, in ihrem Bestand nicht bedrohte Vögel.


Eine gewisse Sterblichkeitsrate unter unseren Wintergästen ist normal, ja sogar eingeplant. So wird von der Natur sichergestellt, dass nur die gesunden und stärksten Tiere im Frühjahr zur Fortpflanzung kommen.

Macht Winterfütterung also überhaupt einen Sinn?
Wenn man sich den umweltpädagogischen Nutzen einer solchen Aktion vor Augen führt, kann man dies nur bestätigen. Die Winterfütterung ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit, heimische Vögel hautnah zu beobachten. Gerade auch für Kinder ist dies eine gute und spannende Gelegenheit, unsere Vogelarten anhand von Gefiederfarbe, Größe aber auch deren Gewohnheiten kennen zu lernen. Die Fütterung im Winter macht es also möglich, Jung und Alt für die heimische Natur zu sensibilisieren.

Kohlmeise, Foto: Andreas Hofmann

Immer vorausgesetzt man beachtet folgende Grundregeln, steht also der Freude am Erlebnis Winterfütterung nichts entgegen:


• Die Fütterung sollte erst bei wirklich strengem Frost und geschlossener Schneedecke erfolgen. Bis zum November ist normalerweise genügend natürliches Nahrungsangebot vorhanden. Das frühzeitige Gewöhnen der Vögel an die Futterstelle ist unsinnig.


• Im Frühjahr rechtzeitig mit der Fütterung aufhören, sonst könnte der Nachwuchs damit versorgt werden. Dies wird von den Jungvögeln, die Insekten zur Aufzucht benötigen, nicht vertragen und kann Entwicklungsschäden oder den Tod zur Folge haben.

 

 

• Oberstes Gebot am Futterplatz ist Hygiene. Daher Futter möglichst nicht auf den Boden streuen, damit es nicht nass wird.


• Wenn eine tägliche Reinigung nicht möglich ist, sollte auf das klassische Futterhäuschen verzichtet werden. Die Vögel sitzen dort direkt im Futter und können dies natürlich mit ihrem Kot verschmutzen. Besser sind handelsübliche Futterautomaten bei denen die Vögel nicht direkt mit dem Futter in Berührung kommen, sondern die Körner nur herauspicken können. Auch Meisenknödel sind in Ordnung


• Die Futterstelle sollte so angebracht werden, dass die Vögel nicht von Hunden oder Katzen überrascht werden können. Auch ein ausreichender Abstand zu Glasscheiben sollte gewahrt bleiben.


• Folgende Produkte können die Vögel extrem schädigen und sind daher an der Fütterung tabu: Salzhaltige Speisereste wie Wurst, Speck, Schinken oder Käse, gesalzene Erdnüsse, gekochte Kartoffeln, Brot, Kuchenkrümel, Margarine oder Butter.


• Obst nur im Ganzen auslegen, da kleinere Stücke gefrieren und so Darmschädigungen hervorrufen können.


 

Ein Gemisch aus ölhaltigen Sonnenblumenkernen und Hanfsaat, angereichert mit Hirse, Lein-, Mohn-, Distel- und weiteren Samen, getrockneten Beeren und zerkleinerten Haselnüssen ist ideal für Körnerfresser wie z.B. Gimpel, Kernbeißer, Grün-, Buch- und Bergfink, Sperlinge, Bluthänfling oder Zeisige

Beliebt ist auch ein Gemisch aus Rindertalg (ungesalzen) und Weizenkleie im

Verhältnis 2:1. Es können auch noch diverse Sämereien dazu gegeben werden. Mit Sonnenblumenkernen und Hanf freuen sich z.B. Kleiber und Meisen über das Fettfutter, welches in Blumentöpfe gegossen in den Bäumen aufgehängt wird. Für Weichfresser wie Zaunkönig, Wintergoldhähnchen oder Baumläufer können Mohn und Hirse zugegeben werden. Die schüchternen Weichfresser lieben übrigens Futterstellen in Bodennähe.

Allesfresser wie Amsel, Rotkehlchen, Wacholder- und Singdrossel nehmen gerne Obst (ganze Früchte) wie Apfel und Birne, zerquetschte Hanf- oder Weizenkörner sowie Früchte und Beeren von heimischen Wildsträuchern.

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