Die Geschichte des Naturschutzes

Generell hatte der Schutz von Natur, Landschaft, Tier- und Pflanzenarten oder gar bestimmter Biotoptypen um ihrer selbst Willen (also aus ethischer Sicht) vor 1800 so gut wie keine Bedeutung. Formelle Schutzbestimmungen wurden nur dort erlassen, wo die Nutzung durch den Menschen eine Rolle spielte, also bei der Jagd, der Falknerei oder dem Waldschutz (Holznutzung,...)

 

Erst in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts hat sich dies geändert:

 

 

1820

Der Drachenfels am Rhein soll als Steinbruch genutzt werden.

Der Drachenfels ist ein Berg im Siebengebirge zwischen Königswinter und Bad Honnef. Er erhebt sich markant über dem Rheintal, sein Wahrzeichen ist die Ruine  Burg Drachfels.

Schon in römischer Zeit und auch im Mittelalter wurde dort Stein (Quarztrachyt) abgebaut.

 

 

1836

Kauf des Drachenfels als Erhaltungsmaßnahme

Um eine weitere Nutzung als Steinbruch zu unterbinden und das romantische Landschaftsbild zu erhalten, erwarb die preußische Regierung den Drachenfels samt Ruine für 10.000 Taler und stellte die Arbeiten ein. Somit kann man diesen Akt als Beginn des neuzeitlichen Naturschutzes betrachten. Hier wurde  ein Objekt um seiner Selbst unter Schutz gestellt, auch wenn es zu dieser Zeit "nur" um landschaftsästhetische und romantische Gesichtspunkte ging.

 

 

1895

Die Naturfreunde werden gegründet

Den arbeitenden Menschen den Zugang zur Natur zu erschließen, war das Ziel der Gründergeneration der NaturFreunde-Bewegung.

Am 16.9.1895 wurden die Naturfreunde im Gasthof "zum goldenen Luchsen" im österreichischen Neulerchenfeld gegründet. Die in diesem Zusammenhang bekanntesten Namen sind Georg Schmiedl, der die Idee hatte sowie Alois Rohrauer, der auf der Gründungsversammlung zum ersten Obmann gewählt wurde.

 

 

1899

Der „Bund für Vogelschutz“ wird gegründet

Am 1.2.1899 gründet Lina Hähnle den Vorläufer des heutigen "Naturschutzbund Deutschland"

(= NABU)

 

Zu dieser Zeit steht u.a der Erhalt attraktiver und seltener Pflanzen im Fokus des aufkommenden Naturschutzgedankens. Man engagiert sich auch für ein Jagdverbot auf Schwäne, Störche oder Nachtigallen.

 

 

1904

Der „Bund Heimatschutz“ wird gegründet

Der Naturschützer und Musikprofessor Ernst Rudorff gründet diesen Verein. Der damalige Vereinsziel war der "Schutz der deutsche[n] Heimat in ihrer natürlichen und geschichtlich gewordenen Eigenart". Wichtige Schlagwörter waren demnach die Liebe zur Heimat und der Einsatz für den Schutz des Landschaftsbildes

Mitglieder sind damals v.a. Lehrer, Architekten oder Beamte

 

 

1913

Der „Bund Naturschutz in Bayern“ wird gegründet

 

 

1919

Naturschutz wird als Ziel in die Weimarer Verfassung aufgenommen

 

 

NATURSCHUTZ UND NATIONALSOZIALISMUS

1935

Naturschutz zieht in die Gesetzgebung ein

am 26.6.1935 trat das Reichsnaturschutzgesetz in Kraft. Es regelte erstmals die amtlichen Naturschutzbelange. U.a. wurden:

  • Schutzzonen definiert
  • Die Kategorie "Landschaftsschutzgebiet" eingeführt
  • Artenschutz für Pflanzen und nichtjagdbare Tiere festgeschrieben
  • Das sog. "Vermeidungsgebot" erlassen
  • Eine Beteiligungspflicht der Naturschutzbehörden bei diversen Maßnahmen vorgeschrieben.

Das Reichsnaturschutzgesetz bildete auch nach der NS-Zeit bis zum Inkrafttreten entsprechender Landesgesetze die Grundlage für das staatliche Naturschutzhandeln. So war es in Westdeutschland bis 1976 gültig.

 

 

Nach 1945 / frühe BRD

Es erfolgt eine Abkehr vom sog. musealen Naturschutz

 - Die Erholungswirkung von naturgeschützter Landschaft für Körper und Seele wird anerkannt

 - Um wissenschaftliche Fachfragen zu bearbeiten wird u.a. 1953 die Bundesanstalt für                  Naturschutz und Landschaftspflege gegründet.

 

 

1960er Jahre

ein modernes Umweltbewusstsein entsteht

Man bewegt sich weitgehend weg von den rein ästhetischen Gründen des Landschaftsschutzes und wendet sich zur Problematik der Existenzsicherung des Menschen.

  • Zitat von Willy Brandt im Wahlkampf 1961:                                                                 „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden“
  • Rachel Carson schreibt 1962 das Sachbuch „Silent Spring“ (Der stumme Frühling) das sich mit der Wirkung von Pestiziden auf Biosphäre und Mensch beschäftigt.

 

 

1960 / 70er Jahre 

Gründung wichtiger Natur- und Umweltverbände

  • 1961 WWF in der Schweiz
  • 1972 Greenpeace in Vancouver/Kanada
  • 1975 Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Marktheidenfeld

 

 

1970er Jahre

Umweltpolitik

  • 1970 Europäisches Naturschutzjahr

Bernhard Grzimek wird erster Bundesbeauftragter für Naturschutz

  • 1971 erstes Umweltprogramm der Bundesregierung

Umweltschutz etabliert sich in Politik

  • 1971 Entwurf eines Gesetzes für Landschaftspflege u. Naturschutz

(Stein´scher Entwurf)

  • 1972 Club of Rome stellt Studie „The Limits to Growth“ vor.

 

 

1970er Jahre

Gesetzliche Regelungen

  • 1976 tritt das Bundesnaturschutzgesetz in Kraft

Wichtige Inhalte sind die Eingriffsregelung und die Landwirtschaftsklausel, nach der die ordnungsgemäße Land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung keinen Eingriff laut Gesetz darstellt.

  • 1979 tritt die Europäische Vogelschutzrichtlinie in Kraft

Es ist die erste rechtlich verbindliche Naturschutzregelung auf europ. Ebene (Netz Natura 2000)

 

 

1980er Jahre

Umweltpolitik

Ein gesellschaftliches Großthema ist das Waldsterben bzw. der saure Regen. Als Antwort auf die Senkung der Grenzwerte für die Luftverschmutzung wird mit dem Einbau von Katalysatoren begonnen. Braunkohlekraftwerke werden abgeschaltet.

  • 1983 Einzug der „Grünen“ in den Bundestag
  • 26.4.1986 Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
  • Drei Monate später Gründung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

 

 

Ab 1990

Mit der Wiedervereinigung werden in den neuen Bundesländern 5 Nationalparke ausgewiesen (Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund, Müritz, Sächsische Schweiz und Hochharz). Der ehemalige Todesstreifen entlang der innerdeutschen Grenze wird zum Grünen Band.
 
  • 1992 tritt die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie in Kraft (Netz Natura 2000)
  • 1993 Das Bundesamt für Naturschutz wird eingerichtet

 

 

 

Naturschutz seit der Jahrtausendwende

2002 Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes:

  • Biotopverbund auf 10% der Landesfläche
  • Naturschutzverbände bekommen Klagerecht
  •  „Gute fachliche Praxis" wird definiert

 

 Klimawandel und CO2-Ausstoß sind Großthemen:

2005 tritt deshalb das Kyoto-Protokoll in Kraft (Festlegung von völkerrechtlich verbindlichen Zielwerten für den Ausstoß von Treibhausgasen)

 

Am 1.März 2010 tritt die Neufassung des BNatschG in Kraft

 

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AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

  • 11.3.2011 Atomunfall in Fukushima
  • Die Konsequenz: Atomausstieg in Deutschland / Energiewende
  • Ausbau erneuerbarer Energien (EEG)
  • NITRAT im Grundwasser (EU-Klage)
  • Volksbegehren „Rettet die Bienen“
  • Anpassung des bayer. Naturschutzgesetzes

 

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