Neue Heimat für Kreuzotter und Co.

Blindschleiche (Anguis fragilis) am Radwegbiotop, Foto:Andreas Hofmann

Die in einigen Randbereichen der ehemaligen Bahnlinie Kirchenlamitz-Weißenstadt anstehenden Felsvorsprünge und Hangbereiche wurden von der Fachgruppe Natur - und Umweltschutz der Ortsgruppe Kirchenlamitz freigestellt.

Nach Stillegung der Bahnstrecke Kirchenlamitz-Weißenstadt konnte sich im Felseinschnitt auf Höhe des Kirchenlamitzer Waldbades Baumanflug ungehindert ausbreiten und Eberesche, Fichte und Birke überwucherten im Laufe der Zeit große Teile der bis dahin von der Bahn AG aus Sicherheitsgründen freigehaltenen Flächen und sorgten durch Laubeintrag für eine dicke Humusschicht.

 

Johanniskraut (Hypericum sp.) am Radweg, Foto: A.Hofmann

Bei einer Begehung fiel der Fachgruppe Natur - und Umweltschutz das mögliche Potential der Flächen auf und nach einer anschließenden Kartierung stand fest, daß sich hier Pflegemaßnahmen positiv auswirken würden - besonders da auch Reste früherer großer Arnikavorkommen (Arnica montana- Rote Liste 3) vorgefunden wurden. In Eigeninitative nahmen die NaturFreunde Kontakt mit der deutschen Bahn (damals noch Besitzer) auf und erreichten eine Zustimmung zu großangelegten Freistellungsmaßnahmen. In Absprache mit dem Landratsamt Wunsiedel begannen dann 1996 die großflächigen Entbuschungsmaßnahmen. Mittlerweile ist die Fläche in den Besitz der Stadt Kirchenlamitz übergegangen, die auf der ehem. Bahntrasse einen Radweg errichtet hat. Mit der Pflege der besagten Hangbereiche, der eigentlich wertvollen Biotopflächen ist auch weiterhin die Fachgruppe Natur - und Umweltschutz betraut.

Pflegebereich am Sechsämterradweg beim Waldbad Kirchenlamitz, Quelle: Google Earth

Schon 3 Jahre nach dem ersten Einsatz war der Erfolg nicht mehr zu übersehen: die Arnikastandorte haben sich stabil gehalten, die Zwergstrauchvegetation aus Heidekraut (Calluna vulgaris), Heidel- und Preiselbeere (Vaccinium myrtillus und Vaccinium vitis-idaea) ist nach einem Verjüngungsschnitt wieder gekräftigt und die entstandenen Freiflächen sind jetzt wieder Lebensraum für Kreuzotter, Blindschleiche und Eidechsen, während sich im schattigeren Bereich unter der Zwergstrauchvegetation Grasfrosch und Erdkröte ihr Sommerquartier eingerichtet haben.


Auch aus geologischer Sicht sind Entbuschungsarbeiten sinnvoll, da hier ein sehr schöner Aufschluß vorliegt, der u.a. auch von Geologen zum Anschauungsunterricht für Studenten genutzt wird. Auch unserer Arbeit ist es (laut zweitem Bürgermeister der Stadt Kirchenlamitz) mitzuverdanken, daß der Stadt EU-Fördergelder für den Ankauf der Trasse zum Zweck des Radwegebaues zur Verfügung gestellt wurden. Natürlich gehen die Arbeiten jedes Jahr kontinuierlich weiter, da immer wieder Neuaustriebe entfernt werden müssen und wir natürlich jedes Jahr unsere Pflegeabschnitte entlang des Radweges erweitern, um so weit wie möglich einen Biotopverbund zu erhalten.
Die Freistellungsarbeiten helfen aber auch vielen Insekten. Der Violette Feuerfalter (Lycaena alciphron) ist eine der zahlreichen selteneren Schmetterlingsarten, der schon an vielen früheren Vorkommen verschwunden ist. In der Roten Liste der Bundesländer führt man ihn in der höchsten Gefährdungsstufe. In Bayern und auch in den deutschen Listen steht er in der Kategorie 2 „stark gefährdet". Mit der Komplettrodung und dem konsequenten Humusabtrag auf gezielten Flächenbereichen schaffen wir günstige Keimvoraussetzungen für die wichtigste Raupenfutterpflanze des Feuerfalters, den kleinen Sauerampfer (Rumex acetosella). Schon auf den kleinen Versuchsflächen konnten wir bei den ersten Kontrollen frisch gewachsene Jungpflanzen des kleinen Sauerampfers feststellen. Dies und die Tatsache das wir mit unseren bisherigen Entbuschungsmaßnahmen im Felshangbereich einen idealen Raupenbiotop (trockene, warme und v.a. offene Stellen mit nur lückigem Ampferbewuchs) geschaffen haben, veranlasste uns, einen Teil der Pflegearbeiten auf diese Artenhilfsmaßnahme auszurichten. Vom Schutzprojekt „Violetter Feuerfalter" profitieren natürlich auch noch andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten, so z.B. der nahe verwandte Kleine Feuerfalter. Das Verbreitungsgebiet des Violetten Feuerfalters liegt in Bayern übrigens ausschließlich in den bodensauren Mittelgebirge wie Oberpfälzer- und Bayerischer Wald und dem FICHTELGEBIRGE - dies macht unsere Bemühungen natürlich doppelt wichtig. Darüberhinaus ist die gesamte Insektenfauna, und hier besonders die vielen Kleinfalter in den wieder besonnten Bereichen bemerkenswert. Davon profitieren auch zahlreiche Fledermäuse, die entlang der Felshangbereiche jagen und den nun wieder freigestellten Verlauf der ehem. Bahntrasse als landschaftliche Orientierungshilfe bei ihren Jagdflügen nutzen.

 

Pflegearbeiten
Wie schon erwähnt führen die NaturFreunde alle Maßnahmen in Eigenleistung durch. Die Planungen hierfür werden von der Fachgruppe Natur - und Umweltschutz erstellt und mit dem Naturpark Fichtelgebirge und der Stadt Kirchenlamitz als Eigentümerin abgestimmt.
• Offenhaltung des gesamten Bereiches durch regelmäßige Entbuschungsarbeiten, Niederhalten des Jungaufwuchses von Birke und Eberesche
• Verjüngungsmahd der Zwergstrauchvegetation im abwechselnden Flächenturnus

• Zurückdrängung des aufkommenden Himbeergestrüpps durch Mahd und Rodung
• Baumfällung bei Bedarf
• Freistellung kleinflächiger Felsbereiche durch Abtragen der Vegetations- und Humusschicht bis auf den Gesteinsuntergrund

 

 

Landschaft, Pflanzen und Tiere

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