Wasser ist Leben

Im Sommer 1996 startete die Gewässerschutzkampagne Blaue Flüsse für Europa der Naturfreunde-Internationale (Dachverband aller Naturfreundeverbände weltweit). Daraus wurde ein weiteres Großprojekt unserer Fachgruppe. So wurde am 21. März 1997 im Sitzungssaal des Kirchenlamitzer Rathauses der Patenschaftsvertrag über den Kirchenlamitzer Hausbach, die Lamitz (die gesamte Fließstrecke im Landkreis Wunsiedel) unterzeichnet.

Besonders bei kleineren Gewässern, die ausschließlich der kommunalen Obhut unterliegen (sog. Gewässer III. Ordnung), können Bachpaten zum Gewässerschutz und einer naturnahen Strukturentwicklung wirkungsvoll beitragen und so die oft überlasteten Unterhaltungspflichtigen (Stadt oder Gemeinde) unterstützen. Gerade die ständige und enge Auseinandersetzung mit dem Gewässer, welche den verantwortlichen Kommunen in der Regel nicht möglich ist, befähigt Bachpaten möglichst genaue Analysen über den momentanen Gewässerzustand mit den zugehörigen Lösungsvorschlägen zu erarbeiten.

Neben der chemischen und biologischen Güteüberwachung sind Strukturkartierung und Renaturierungsmaßnahmen am Gewässer unsere Hauptarbeit.

1. Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit
Wichtigster Punkt unserer Arbeit muß, egal welches Ziel verfolgt wird, das gute Verhältnis mit Bürgern, Gewässeranliegern (Privatbesitzer, Landwirte, usw.) und Nutzungsinteressenten (Fischerei, Landwirtschaft, usw.) sein. Darüber hinaus ist es aber auch notwendig, die breite Bevölkerung für die Belange des Gewässerschutzes zu sensibilisieren. Wir müssen, hier insbesondere auch Kinder und Jugendliche durch unser Wirken am Gewässer begeistern und die Wunderwelt eines intakten Bachökosystems vermitteln, um so den Menschen mehr Umweltbewußtsein zu vermitteln.

Dies geschieht u.a. durch:
-Gewässerausstellungen, Infostände bei Festen, Messen, usw.
-direktes Gespräch mit der Bevölkerung vor geplanten Maßnahmen
-Zusammenarbeit mit den Medien
-Projekte mit Schulen, Kindergärten

Infostand zum Umwelttag am Theresienstein in Hof

2. Politik
Wir möchten so etwas wie der grüne (oder hier besser der blaue) Zeigefinger sein, der mit seinem Wissen und Ideen dem Unterhaltspflichtigen zur Verfügung steht, auf Mißstände aufmerksam macht und auf deren Behebung drängt. Um dies zu erreichen sind gute Kontakte zu den verantwortlichen Stellen, intensive Zusammenarbeit und ein gesicherter regelmäßiger Austausch von Informationen notwendig.

 

 

3. Überwachungsmaßnahmen (Beobachten und Melden)
Diesem Bereich haben wir eine starke Gewichtung zukommen lassen, denn gerade bei einem Gewässer ist eine regelmäßige Überwachung aller relevanten Wasserparameter äußerst wichtig (Verunreinigungen, usw.). Darüberhinaus dienen uns die gesammelten Werte als Kontrollinstrument für unsere eigentlichen Pflegemaßnahmen. Aus diesem Grund wurde ein extra auf die Lamitz zugeschnittenes Analyseprogramm von uns ausgearbeitet.

a) Gewässerstrukturgüte
Die Morphologie- oder Strukturgütekartierung (war als erste große Einstiegsaktion geplant, um einen Überblick über die Gesamtsituation des Baches zu bekommen, bei Bedarf (nach Eingriffen etc.) wird von Zeit zu Zeit nachgeprüft. Ziel der Strukturgütekartierung ist es, die ökologische Qualität eines Fließgewässers und damit seines nächsten Umfeldes zu bewerten. Anders als bei der Analyse der Wasserqualität werden hier Uferbereich, Gewässerbett, Nutzung des Umlandes usw. in 100m-Abschnitten erfaßt und nach ihrem natürlichen oder naturfernen Zustand bewertet. 

Strukturgütekartierung

b) Chemische Analyse
Zur Untersuchung der chemischen Wasserwerte wurden über den Gewässerabschnitt verteilt sieben Hauptmeßstellen erarbeitet, die von uns alle zwei Wochen abgefahren werden. Dabei werden leicht veränderliche Parameter wie pH-Wert, Leitfähigkeit, Temperatur und Sauerstoff sofort vor Ort gemessen. Darüber hinaus ziehen wir auch Wasserproben, die dann sofort nach der Tour in unserem kleinen Labor auf die übrigen Werte wie Nitrat, Ammonium, Phosphat, usw. untersucht werden.

Wasseranalyse im Labor

c) Biologische Untersuchungen
Die biologische Gewässergüte wird nach dem sogenannten Saprobiensystem ermittelt. Ziel der biologischen Güteuntersuchung von Gewässern ist es, den Grad an Verunreinigung mit abbaubaren organischen Substanzen zu bestimmen. Das Grundprinzip dieser Analyse ist relativ einfach: werden organische Stoffe in ein Gewässer eingebracht, so wird diese Nährstofffracht nicht einfach nur weggeschwemmt, sondern verwertet. Ganz bestimmte Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen bauen den Abfall unter Sauerstoffverbrauch ab (Selbstreinigungskraft des Wassers) - die Folge: Organismen, die einen höheren Sauerstoffgehalt benötigen, können hier zeitweise nicht mehr überleben. An ihre Stelle treten eben die genannten Abbauer oder andere Organismen, die mit weniger Sauerstoff auskommen. Auch wirken viele eingeschwemmte Substanzen toxisch, die empfindlicheren Lebewesen werden dadurch vergiftet. So kann man diese Tiere zu Qualitätsanzeigern, sog. Bio-Indikatoren machen. Die Gewässerkunde hat solchen Organismen, welche eine möglichst enge Bindung an bestimmte Umweltverhältnisse (stenöke Arten) besitzen, ganz konkrete Zahlen als Indikatorwerte zugeordnet. Dies macht eine Berechnung der biologischen Güte erst möglich. Anhand der gefundenen Zeigerorganismen und ihrer Häufigkeit kann der Gewässerkundler über eine mathematische Formel den Indikatorwert ausrechnen, der dann in eine der sieben heute existierenden Güteklassen eingeordnet wird.

Feldauswertung der biologischen Gewässergüte
Rollegel (Erbobdella octoculata), Indikatorwert 3
Lamitzverlauf im Untersuchungsbereich, Quelle: Google Earth
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